Mein Karl May

Bereits Karl May hat ein Leseralbum geführt, in dem er Fotografien seiner Leser gesammelt hat. An diese Tradition anknüpfend möchten wir hier seinen heutigen LeserInnen die Möglichkeit geben, einige Worte zu meinem Karl May einzustellen.

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Frank Preller aus Wolfenbüttel schrieb am 14. Januar 2012
Im Allgemeine wird unterschieden, ob die Leser den Mayster im Buch oder in den Filmen bzw. Freilichtspielen kennen lernten. Ich denke nicht, dass dies ausreichend ist. Mindestens drei weitere Kategorisierungen kann man durchaus ernst nehmen. Unterscheiden kann man zwischen den Freunden der Wüstenabenteuer und denen der Nordamerikahandlungen und weiterhin zwischen Textpuristen und den Liebhabern der grünen Bände.
Unterschätzt wird. m.E.n. aber eine weitere Unterscheidung der May-Leser. Wer hat denn eigentlich Karls Werke mit und wer gegen den Trend gelesen? Wem standen die Bände zur Verfügung und wer konnte oder durfte sie nicht lesen? Ich gehöre zu denen, die früher gegen Mitschüler (weil uncool) und Lehrer (weil angeblich pol. unkorrekt), und heute gegen Kollegen, Bekannte und natürlich die Familie anlesen. Letztere hat es laut eigenen Angaben aufgegeben, zu warten, bis ich "erwachsen" werde - was auch immer dieser Begriff bedeuten mag.
In der Bundesrepublik gab es zu Beginn der 80er-Jahre eine "komplette" (Wird es so etwas wohl je geben?) Taschenbuch-Edition für den kleinen Geldbeutel. PAWLAK gab 74 Bände Karl May heraus, die sich eng am Originalext orientieren. Sie bilden bis heute den Grundstein meiner Sammlung. Eine Bewertung der Ausgaben möchte ich hier jedoch nicht vornehmen.
Angefangen hat es bei mir mit Winnetou I - unfassbar schön. Dann die drei(!) weiteren Winnetou-Bände, wovon mir der letzte bis heute am besten gefällt, weil Karl hier ca. 45 Jahre nach seine ersten "Erlebnissen" im Westen die Handlungen zu Ende führt. Danach Surehand I bis III(!) - hier hat meine Unterstützerin wohl meine Vorliebe für die Nordamerika-Erzählungen festgezogen. Surehand I ist, ähnlich wie Winnetou I, ein Buch, dass man an einem Tag verschlingen kann. Es eröffnete mir über die vielen Gespräche zwischen den Protagonisten den Zugang zu May's Denke und Biografie und lud mich über die Ankopplung an den Geist des Llano ein, die Jugenderzählungen zu entdecken. Da gab es einige im Verlag Neues Leben, wo mich die Erzählform irritierte, deren Änderung zu den bisher gelesenen ich als kindlicher Regimekritiker aber einfach mal eben dem Staatsapparat in die Schuhe schob - Zensur und Paranoia gehören zusammen.
Von hier an wurde gezielt "bestellt", über die Grenze geschafft und gelesen. Bis heute habe ich es (noch) nicht geschafft, das Gesamtwerk zu lesen, obwohl ich es mittlerweise mehrfach besitze. Denn der Erwachsene sammelt, was das Kind nicht haben sollte.
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